Karfreitag 2005 - in St. Ulrich
Einführung
In meiner Hand ein Spiegel, oder vielmehr ein Bruchstück eines Spiegels, eine Scherbe.
Eine Scherbe meines Lebens, denn so vieles ist rissig und zerbrochen in meinem Leben – es ist Karfreitag, alles scheint zerbrochen zu sein.
Alles was farbig und schön war, was fest umrissen war, liegt nun da in Scherben.
Ich halte sie in der Hand, die Scherben meines Lebens: die Scherben von dem, was mir so teuer war, die Scherben, die durch mein Versagen verschuldet sind und meine Schwächen, durch meinen Unwillen, meine Nachlässigkeit, mein Desinteresse, meinen Mangel an Güte und Liebe.
Sie sind spitz und scharf – ich kann andere damit verletzen.
Die Scherben verletzen aber auch mich: Enttäuschungen, Schmerz und Trauer.
Ich habe mich geschnitten, an meinem Stolz, meinem Hochmut, meiner Überheblichkeit.
Auch das Leben Jesu, unseres ach so menschlichen Bruders liegt in Scherben. Sie haben ihn ans Kreuz genagelt. Doch er ist nicht nur menschlich sondern auch göttlich. Deshalb hat er alle diese Scherben angenommen und nimmt sie auch heute noch von jedem und jeder von uns an. Ihm dürfen wir sie hinhalten, das Zerbrochene in seine Hände legen.