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Führung durch die „Heilig Kreuz Kirche“ Büchenbronn |
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von Hans-Jörg Rösch - Diplom Religionspädagoge 1. Station: Vor dem Haupteingang Im September 1967 wurde diese katholische Kirche nach mehrjähriger Bau- und Planungszeit fertig gestellt und feierlich durch den damaligen Weihbischof Karl Gnädinger geweiht. Für 360 bis 400 Gottesdienstbesucher konzipiert, erwartete man damals die rasche weitere Ausdehnung Büchenbronns Richtung Sonnenhof und die Ansiedlung vieler katholischer Neubürger. Das sollte sich jedoch nicht bewahrheiten. Bis zu diesem Kirchenbau waren die katholischen Gottesdienste in der evangelischen Kirche gehalten worden … ein schon frühes Zeichen ökumenischer Gastfreundschaft. Heute erscheint die Kirche überdimensioniert und an einem normalen Sonntag verteilen sich 60 - 80 Gläubige im großen Kirchenraum. Ich habe mir sehr persönliche, subjektive Gedanken zu „meiner“ Kirche gemacht. Das war auch deswegen nötig, weil es über diese Kirche fast nichts nachzulesen gibt. Im Sommer 2007 besuchte ich den Architekten Karlheinz Goldmann. Er lies mich an seinen Gedanken und Erinnerungen teilhaben und ich erfuhr so wichtige Details. Ich stellte meine Gedanken der Witwe von Rolf Gröger vor, die zusammen mit Ihrem berühmten Mann viele künstlerische Details der Kirche gestaltet hatte und erhielt ihre starke Zustimmung zu meinen Gedanken. Nun möchte ich mit Ihnen einen „Rundgang“ durch dieses Gotteshaus machen, das von außen nicht gleich die Menschen in seinen Bann zieht. Der erste Blick, der flüchtige Blick, entdeckt viel Beton, massive Mauern, ein grünes Dach, eine merkwürdige Form, am Turm als Kirche zu erkennen, wenn dem Turm auch die klassische Turmuhr fehlt. Für mich persönlich wirkt die Kirche wie ein riesiges Zelt. Wie ein Zelt aus Beton liegt sie am damaligen Ortsrand von Büchenbronn. Jahrtausende wohnten Menschen in Zelten und die Nomaden der Wüste tun das bis heute, so wie einst Abraham, auf seiner mühseligen Reise in das Gelobte Land. Als äußeres Erscheinungsbild eine Zeltform zu wählen ist also ganz und gar biblisch und in der Offenbarung, am Schluss des neuen Buches, können wir die Vision des Johannes lesen, der den Menschen verspricht: Seht da! Das Zelt Gottes unter den Menschen! Gott wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal … Das Zelt Gottes unter den Menschen! Das ist doch ein schöner Gedanke. Ein Ort an dem Tränen geweint werden und trocknen dürfen, wo Trauer und Trost ihren Platz haben und himmlische Zuversicht … die Nähe Gottes also! Doch schauen wir uns das gedankliche Konzept einmal genauer an, das die beiden Architekten, Diplom-Ingenieur Karlheinz Goldmann und Hans Schürle entwarfen. Die beiden Männer waren Schüler des berühmten Karlsruher Architekten Eiermann, dessen Matthäuskirche im Pforzheimer Stadtteil Arlinger, ebenso wie die Gedächtniskirche in Berlin u. v. a m. immer wieder Menschen faszinieren. Mich fasziniert unsere Hl. Kreuz Kirche auf ihre Art genauso und ich denke sie wird zu unrecht bei Stadtführungen vernachlässigt. Die Verantwortlichen machten sich damals viele Gedanken und führten lange Gespräche darüber, wie ein zeitgemäßes Gotteshaus aussehen könnte/ müsste. Die 60-er Jahre waren eine Zeit des Umbruchs in Kirche und Gesellschaft. Das II. Vaticanum sollte diesen Veränderungen Rechnung tragen und durch neue Impulse die Kirche als Gemeinschaft in der neuen Zeit verankern (Aggiornamento). Schließlich war man von einem bestimmten Grundgedanken fasziniert: Architektonisches Grundprinzip der Kirche sollte ein gleichschenkliges Dreieck sein, als Widerspiegelung der göttlichen Dreifaltigkeit, der Trinität von Vater, Sohn und Geist. Anmerkung: Zu Beginn der Planungsphase war der Name der Kirche noch nicht festgelegt. Sonst hätten die Architekten u. U. einen anderen Entwurf vorgelegt, wie mir Herr Goldmann versicherte. Von einem Dreieck mit dem Grundmaß von 100 cm ausgehend, wurde nun ein Grundriss entworfen, der einem Sechseck entspricht, worin wir auf wunderbare Weise die Verbindung zu unseren älteren Glaubensbrüdern, den Juden mit dem Davidstern, wieder finden. Diesem Sechseck wurden dann vier weitere Dreiecke hinzugefügt die einander gegenüber liegen: Chorraum und Taufkapelle, Sakristei und Turmkapelle / Beichtkapelle. (4 als Symbol der Ganzheit, der Welt mit ihren vier Himmelsrichtungen, Elementen … etc. / 3 als Gottessymbol, 4+3 zusammen (genauer: Gott + Welt) ergeben 7 als Heilige Zahl, die wir z. B. in den 7 Tagen der Schöpfung wieder finden.) Betreten wir nun das Gebäude und wenden uns rechts der Taufkapelle zu. 2. Station: Taufkapelle und Eingang Genau solch einen Ort haben wir hier. Man muss zwei Stufen hinabsteigen, in Erinnerung daran wie Jesus in den Jordan stieg, um sich taufen zu lassen. Betrachten wir nun die Symbole im raumhohen Fenster:
Anmerkung: Hier kann man eine kleine Gemeinsamkeit zu der islamischen Tradition erkennen, zu der ja die gründliche Reinigung vor dem Gebet gehört. Viele Kirchenbesucher nehmen sich auch Weihwasser mit nach Hause ein wunderbarer Brauch … Eigentlich war die Kirche so gedacht, dass die Taufe eines Menschen immer hier draußen stattfinden sollte. Denn erst nach der Taufe und durch die Taufe gehört man zur Gemeinschaft der Glaubenden, zur Christenheit. Das schöne Lichtband in blau, das hier vom Himmel zur Erde reicht, wurde ganz bewusst auf die Ostseite gesetzt, denn man wollte die Morgensonne mit ihren Strahlen einfangen, um bei den Taufen, Sonntag morgens, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Für mich steckt in dieser räumlichen Anordnung auch ein erster Bezug zum Namen unserer Kirche: Heilig Kreuz. Denn das Kreuz verbindet Himmel und Erde, wie in dieser Kapelle durch das Fenster angedeutet und der neu aufgenommene Christ macht sich auf der horizontalen Ebene nun auf den Weg zum Altar. Wir tun das noch nicht, sondern wenden uns nun der linken Seite, der Turmkapelle zu. Zuvor seien Sie aber auf die kunstvolle Gießarbeit hingewiesen, die nach Entwürfen des Künstlers Rolf Gröger in der Art eines Vorhangs den Vorraum vom Kirchenraum abtrennt. Der Bildhauer Gröger hat in dieser Kirche auf besondere Weise seine Spuren hinterlassen: Er entwarf außerdem die Eingangstüren, die das Trinitätssymbol aufnehmen, den Ambo, den Tabernakel, das Kreuz hinter dem Altar, den Sockel des Altars, alle Glasfenster, die Apostelkerzen und alle anderen Kerzenständer und er entwarf den Kreuzweg, eine Mosaikarbeit, die er zusammen mit seiner Frau Ursula in mehrmonatiger Detailarbeit zusammenfügte. 3. Station: Andachtsbereich / Turmkapelle Betrachten wir die vier Fenster. Was sehen wir?
Diese Fenster stehen sinnbildlich für zutiefst menschliche Erfahrungen:
Dass Sorgen und Nöte Menschen fast erdrücken können wird auch durch die niedrige Raumhöhe dieses Seitenteils verdeutlicht. Bei jedem Gottesdienst aber brennen fast so viele Kerzen hier, wie der Leuchter fassen kann, denn viele Kirchenbesucher wenden sich gerne dieser Seite zu, um besonders Maria ihre Gedanken anzuvertrauen und um ihren Beistand zu bitten. Anmerkung: Die Marienstatue weiter vorne ist eine spätere Spende von Dekan Walter Geiger. 4. Station: Altarraum - Altar und Kreuz Der Bodenbereich des Altarraums ist durch die Art der Betonsteine wieder vom Trinitätssymbol, dem Dreieck, geprägt, so wie der gesamte Vorplatz der Kirche auch. Schauen wir uns nun zuerst das Fenster auf der rechten Seite genauer an. Wichtige Lebenssymbole lassen sich entdecken: Wasser, ein Baum, Früchte und Weizengarben. Wie viele? Zwölf! Zufall? Nein. Wir wissen von den zwölf Stämmen Israels, den zwölf Aposteln als Widerspiegelung dieses Stammesgedankens und finden auch hier, wie in jeder Kirche die zwölf Apostelleuchter rund um den Kirchenraum. Unter dem Baum: das Wasser des Lebens. Davor steht der Priester. Seine Worte sollen lebendiges Wasser sein, sie sollen uns zum Leben und zum Gedeihen verhelfen. Und so wie die Bibel mit der Schöpfung und dem Paradies beginnt und mit der Apokalypse endet, so stehen sich hier vorne auch Schöpfung und Apokalypse gegenüber. Denn, wenden wir uns der linken Seite zu, fällt sofort das Lamm auf. Es ist ein wichtiges Element in der zu Beginn unserer Führung zitierten Offenbarung des Johannes. Dort lesen wir, dass am Ende aller Zeiten Jesus als Lamm wiederkommen wird. Ein Lamm, Zeichen für Jesus und für die Eucharistie, ist hier ganz nah beim Tabernakel (Zelt), dem heiligen Schrein, in dem die Kommunion aufbewahrt wird, daneben das ewige Licht, das darauf hinweist. Doch nicht nur dies ist dort beschrieben, sondern auch das himmlische Jerusalem, mit seinen 12 Toren. Rolf Gröger hat versucht in den Glasfenstern der linken Seite diese biblische Hoffnung zum Leuchten zu bringen und mehrfach die zwölf Tore angedeutet. Und was verbindet die beiden Seiten? Altar und Kreuz im Zentrum der Kirche! Jesus, der Gekreuzigte, als verbindendes Element zwischen den Anfängen im alten Testament / ersten Testament und der verheißenen Zukunft am Ende des neuen Testaments. Das Kreuz als Nahtstelle zwischen Paradies und himmlischem Jerusalem, als Verbindung von Himmel und Erde, horizontale und vertikale Ebene unseres Daseins. Bei genauerem Hinsehen, kann man feststellen, dass die Glasfenster rechts und links oben so etwas wie ein Licht, ein wärmendes Feuer, eine Sonne andeuten, die wohl hinter dem Kreuz verborgen ist. Eine Sonne die hinter allem Schmerz und Leid dieser Welt auf uns Menschen wartet. Gott, der ganz andere, den wir nur ahnen können. Auf ihn hoffend und in Erinnerung an Jesus versammeln wir uns sonntags um den Altar. Bei der Innenrenovation 2008 wurde der bislang düster wirkende, hintere Teil das Altardreiecks blau schattiert, mit der Absicht auf diese himmlische Hoffnung, die hinter dem Kreuzestod Jesu steht, hinzuweisen. 5. Station: Die Glocken des Turmes Glocke 1: Friedensglocke, 350 kg, gegossen 1992 Glocke 2: Bruder Klaus, 268 kg. Glocke 3: Konradsglocke, 173 kg. Glocke 4: Ökumeneglocke, 120 kg. Die Glocken 2, 3 + 4 stammen aus der Liebfrauenkirche von Singen / Hohentwiel, wo sie aus Gründen der Statik abgenommen werden mussten. Nur die Friedensglocke ist speziell für diese Kirche in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen worden. |